Friday, 15. july 2011
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17:31
Warum wurde ich eigentlich Journalistin? Sicher nicht deshalb, weil ich immer anderen „nach dem Mund“ reden möchte und die Welt immer durch eine
rosarote Brille sehe. Viel zu oft wird man aber als Redakteur dazu verdonnert, Werbekunden des Arbeitgebers müssen gehätschelt werden und sollen sich nicht ärgern. Dazu kommt dass viele
Redaktionen einfach durch Einsparungen völlig überlastet sind mit dem Tagegeschäft- um wirklich zu recherchieren und investigativ zu arbeiten fehlt es oft an der nötigen Zeit- und der leider zu
oft fehlenden Rückendeckung durch den Verlag oder Sender.
Vor einiger Zeit wurde ich nun aufmerksam auf einen sozialen Brennpunkt hier in Karlsruhe. Es lag mir sehr am Herzen, darüber zu berichten.
Natürlich musste ich jetzt erst einmal jemanden finden, der das auch drucken wollte. Zwar hat das Blatt keine „riesige“ Auflage und ist regional- aber das Thema ist dort schon an der richtigen
Adresse. Hier der link zu der pdf, auf Seite 6 könnt ihr meinen „Skandalbericht“ lesen:
link
Natürlich haben sowohl ich als auch der Chefredakteur damit gerechnet, dass feedback darauf kommen wird- nicht nur positives. Gedroht wurde uns nun
unter anderem mit strafrechtlichen als auch zivilrechtlichen Anzeigen- nicht nur von den Bewohnern. Bei ihm steht in der Redaktion das Telefon nicht mehr still. Ich frage mich, warum man ein
solches Projekt wie dieses Quartiersmanagement erst aus dem Boden stampft für drei Jahre - um es dann klammheimlich „im Sand verlaufen“ zu lassen
wenn es unbequem wird. Und ich frage mich, ob die Verantwortlichen denn nicht wissen, was sie an Daten und Fakten auf ihrer eigenen Homepage stehen haben?
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Darüber hinaus haben der SWR und auch andere online- Portale schon ähnlich darüber berichtet, und es gibt Studien dazu, die auch nicht unter
„Staatsgeheimnis“ fallen.
link link link link
Nein, dazu braucht man kein „Insiderwissen“ weiterzugeben, dafür reicht es, einen halben Tag zu recherchieren und sich die Siedlung Kleinseeäcker im Karlsruher Stadtteil Oberreut mit eigenen Augen selbst anzuschauen. Als ich irgendwo anders einmal diesen Namen erwähnte sagte eine fremde Frau zu mir: “Dort wohnen die Verlorenen von Karlsruhe, um die will sich niemand kümmern- und die soll niemand sehen.“
Nein, wenn das jetzt unsere Gesellschaft beschreiben soll, dann möchte ich nicht mehr länger Teil dieser Gesellschaft sein. Gerne würde ich weiter an
„Kleinseeäcker“ dranbleiben, auch die Verantwortlichen der Stadt Karlsruhe dazu befragen, was sie denn meinen und was aus diesen Kindern ohne Hilfe von außen einmal werden soll. Die ganze Stadt
ist eine unnötige Baustelle, in der Unsummen verschwinden- aber für diese „peanuts“ von drei Gehältern der Sozialarbeiter ist kein Geld da.
Bravo!
Den Bewohnern kann man keinen Vorwurf machen- sie leben ihr Leben in einem wenn man es nett
beschreiben möchte- „Mikrokosmos innerhalb einer Stadt“ - ich nenne das Getto, denn es ist nichts anderes. Den Verantwortlichen der Stadt, denen die Problematik seit Jahren bekannt ist und die zu
wenig handeln aber schon. Und ich habe keine Lust darauf, mir den Mund verbieten zu lassen.
von Mirjakätzchen
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Wednesday, 30. march 2011
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17:04
Was macht einen Menschen aus, was formt ihn? Wie sieht es mit den sozialen Einflüssen aus, die auf einer noch so
kleinen Seele ihre Spuren hinterlassen, einem noch leeren und unbeschriebenen Stück Papier einen Stempel aufdrücken? Das frage ich mich nicht nur als Mutter immer wieder, das frage ich mich auch, wenn ich die Kinder dort sehe.
Da gibt es ein Geschwisterpärchen, zwei Brüder. Ich nenne die beiden jetzt einfach mal Stefan und
Darius- so heißen die beiden nicht wirklich, ich möchte sie so einfach etwas schützen. Stefan ist 6 Jahre alt, zuckersüß- aber nicht einfach im
Umgang. Trotzdem ein kleiner Charmeur und nicht unbegabt. Sein kleiner Bruder Darius ist bald 5. Darius war am Anfang, als ich ihn kennenlernte, fast
unerträglich. Machte immer, wirklich immer das absolute Gegenteil von dem, was er eigentlich sollte. Konzentrierten sich die anderen Kinder auf ein
Spiel oder eine Bastelarbeit, musste er stören- zertrampelte die Sandburg, die gerade durch viel Mühe im Spiel entstanden war, fing einfach grundlos an zu schreien wenn man etwas erklärte oder
auch zu spucken oder zu treten. Alles an diesem Kind rebellierte. Darius rannte im Gegensatz zu seinem größeren Bruder auch immer etwas vernachlässigt herum. Dreckiges Gesicht, dreckige Kleidung,
Nase lief fast bis zum Kinn…..trotzdem war er immer da. Viele Kinder kommen nur sporadisch in den „Lichtblick“ zum spielen- Darius fängt mich an der Tür ab und möchte mit hinein. Oder auf den
Spielplatz. „Wann kommst du raus?“ ist seine Standardfrage bei schönem Wetter. Ich erinnere mich, an einem Tag wollten die Kinder unbedingt malen. Ich holte deshalb Malstifte und Papier auf den
Spielplatz. Darius war auch sofort dabei- und siehe da, er malte über eine Stunde absolut selbständig und selbstvergessen. Leider habe er keine Malsachen zuhause, sagte er mir. Er darf das jetzt
öfter bei uns- MALEN, auch auf dem Spielplatz. Sein Verhalten hat sich zum positiven geändert- so empfinde ich das wenigstens. Sage ich etwas zu ihm, hört er. Nicht sofort- aber spätestens eine
Minute später kommt er meiner Bitte an ihn nach. Gestern habe ich wieder Malsachen auf den Spielplatz geholt- Darius kam gleich angerannt, und brachte 2 Schüsseln Obst mit - für sich und die
anderen Kinder. Wir richten mittags immer etwas für die Kinder während der Spielzeit „zu Kauen“, das Obst stand auf einer Bank in der Nähe.
Ich vermute, das Kind war es einfach nicht gewohnt, durch Lob Aufmerksamkeit zu bekommen. Er
kannte wohl nur Aufmerksamkeit durch schlechtes Benehmen, bekam lieber andauernd geschimpft- und wurde dadurch nicht ständig von den anderen übersehen, was für ihn wohl noch schlimmer als
ständiges Geschimpfe war. Die Malaktion gestern war ein Deal zwischen Darius und mir- pädagogisch vielleicht nicht ganz einwandfrei, aber ich bin ja auch keine Pädagogin. Er hatte seinem Vater
das Handy geklaut- er brachte es ohne Murren wieder zurück und dafür durfte er dann malen. Ich mag ihn mittlerweile sehr- trotz seiner Ecken und
Kanten, die er mit seinen paar Jährchen schon ohne Zweifel hat. Die Kinder in Kleinseeäcker werden im Kopf so schnell alt. Und sie brauchen keine Ergotherapeuten oder Psychologen- sondern ganz
normale Erwachsene, die mit ihnen einfach mal über ein Seil balancieren oder eine Geschichte vorlesen.
von Mirjakätzchen
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Tuesday, 22. march 2011
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12:41
Seit fast zwei Monaten arbeite ich jeden Tag ein paar Stunden zusammen mit Mitarbeitern
der AWO in einem sozialen Brennpunkt in Karlsruhe. Armut hat viele Gesichter, gibt es mitten unter uns- wird nur gerne versteckt und nicht wahrgenommen.
Kleinseeäcker 2011- das sind zwei Betonblocks mit einem Spielplatz fast im Niemandsland
zwischen den Stadtteilen Bulach und Oberreut, 150 Menschen wohnen hier. Etwa 50 Kinder und Jugendliche sind darunter, über die Hälfte der Bewohner
lebt schon in dritter Generation von Sozialhilfe und Hartz 4. Perspektiven gibt es für diese Menschen nicht, noch nicht einmal für einen eigenen Straßennamen oder eine Straßenbeleuchtung hat es
gereicht. Die Anlage wurde von der „Volkswohnung“ 1968 erbaut, seit fast drei Jahren kümmern sich Mitarbeiter der AWO mit einem Quartiersmanagement um diese Menschen am Rande der
Gesellschaft.
Es gilt hier
vor allem die große Kinderarmut zu lindern. Kinderarmut in Kleinseeäcker- das bedeutet nicht, dass die Familien unter Geldmangel leiden. Kinderarmut bedeutet hier vor allem soziale Verwahrlosung.
Einige der Kinder können kaum Sprechen- alle Kinder der Siedlung hungern nach Zuwendung. Kinder wie der kleine 5jährige Kevin, der 6jährige Stefan und sein kleiner Bruder Darius (4) oder Jennifer- mit 16 bereits im Teenageralter.
„Gemeinsam können wir etwas bewegen.“ - diesen Spruch haben die Sozialarbeiter vor Ort
nicht umsonst auf eine Wand in einem der AWO- Räume gemalt. Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen geht auf die Förderschule, schafft es ein
Kind auf die Realschule, ist man in Kleinseeäcker stolz. Die Eltern können zum Teil selbst nicht Lesen und Schreiben, Abspringer, Aufsteiger oder Vorbilder die es „geschafft haben“ gibt es
nicht, ebenso wenig soziale Kontakte außerhalb der Siedlung. Oma, Opa, Tanten, Onkel und Freunde- alle wohnen in den Blocks oder kehren
irgendwann wieder in die Siedlung zurück. Genau dort setzt die Arbeit der AWO- Mitarbeiter an. Neben der üblichen Hausaufgabenbetreung und den Spielstunden im „Lichtblick“ werden zusammen mit der
sozialtherapeutischen Tagesgruppe „Mafalda“ der AWO Ausflüge wie etwa in den Hochseilgarten oder die Karlsruher Kunsthalle geplant. Soziale Kontakte außerhalb der Blocks sollen bewusst gefördert
werden. Mit „Hilfe zur Selbsthilfe“ sollen die Eltern selbst die Stärken und auch die Schwächen ihrer Kinder erkennen können und für diese mittelfristig einen Weg in die Gesellschaft finden, denn
bereits vorhandene Hilfsstellen wurden von den Bewohnern so gut wie nicht genutzt. Man möchte nicht sehen, dass man Außenseiter ist- und bekommt von den Sozialarbeitern vor Ort jeden Tag den
unbequemen Spiegel vorgehalten- darauf wird oft mit Ablehnung gerade der Erwachsenen reagiert. Die Kinder und Jugendlichen bekommen aber vorgelebt, dass es eben auch anders geht und anders sein
kann. Dazu gehört es eben auch, dass man lernt Termine einzuhalten, miteinander zu Essen mehr ist als reine Nahrungsaufnahme und auch die eigene
Gesundheit als ein hohes Gut achtet. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen oder Zahnarztbesuche sind in Kleinseeäcker keine Selbstverständlichkeit.
Finanziert wird dieses Projekt bisher von der SWR- Spendenaktion
„Herzenssache“. Doch die Gelder reichen höchstens noch bis August, die Zukunft dieses Projekts steht auf mehr als wackeligen Beinen. Damit die Kinder eine Zukunft haben und nicht in Resignation,
Ideenlosigkeit sowie Kriminalität enden, braucht es weitere Fördergelder. Beispiele für erfolgreiche Stadtteilsanierung und Integration gibt es gerade mit Einrichtungen wie einem
Quartiersmanagement in anderen Städten (wie zum Beispiel in Stuttgart) genug. Bleiben allerdings Förderer aus, gibt es in Karlsruhe weiter ein Getto und für die Kinder keinen Weg heraus aus der
Armutsfalle.
von Mirjakätzchen
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Saturday, 1. january 2011
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23:59
Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen.
Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren - aber aufgehört haben zu leben.
Und wovon träumst du?
von Mirjakätzchen
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Saturday, 1. january 2011
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/2011
12:42
Warum schreist du?
Oder wonach?
Lass dich doch endlich mal los,
lass dich fallen.
Das darf man. Das tun auch andere.
Weil: wenn du das endlich mal schaffst,
dann kannst du auch mal was sehen:
Nämlich, dass ich dich so mag, wie du bist.
Wie du Auto fährst.
Wie du mit mir redest.
Oder geredet hast.
Du platzt rein, ohne Vorwarnung.
Du verkleidest dich.
Wo du dich siehst ist nicht da, wo das Leben ist, die Wirklichkeit.
Und du wirst lächerlich,
wenn du dich so wichtig hinstellst.
Reiß dir doch endlich mal die hübsche Fassade runter.
Weil du niemanden täuschen kannst, wenn du jemand anderes geworden bist.
Der sich hinter jemand anderem versteckt.
Sich immer verteidigt.
Nicht loslassen kann.
Cool sein will.
Und nur doof rüberkommt.
Warum machst du alles so kompliziert?
Warum benimmst du dich wie jemand völlig anderer?
Warum tust du mir weh?
Du bist genauso geworden, wie das Leben ist:
du fällst und du kriechst, du zerbrichst und du nimmst, was du kriegst.
Und du ergibst dich.
Und erzähl mir nicht, dass du das alles nur spielst.
Du hast mir mal was versprochen....
von Mirjakätzchen
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