Ein Ende
Ich höre sie schon von weitem. Er steht im Hof, so habe ich ihn noch nie gesehen. Der erfolgreiche junge Anwalt, ganz klein und unglücklich. Vera steht am Fenster des alten Hauses, das sie vor 4 Jahren zusammen gekauft hatten. Er gekauft hatte. Ich konnte ihn noch nie leiden, und bei der Hochzeit damals musste ich mich zusammen reissen, um meinen Unmut über diese Veranstaltung nicht laut heraus zu schreien. Doch wie ich ihn jetzt da unter dem Fenster des Hauses so stehen sehe- Mitleid habe ich mit ihm. Am Fenster schreit eine hysterische Vera herum „Verschwinde endlich. Es ist vorbei!“. „Vera, ich liebe dich doch!“ - er weint. „Nein! Ich gehe nicht!“. Was ist los frage ich ihn. Noch bevor er mir antworten kann, sehe ich aus den Augenwinkeln, wie ein Schreibtischstuhl auf uns zu fliegt. Wir können beide gerade noch einen Schritt auf die Seite hechten- der Stuhl schlägt genau zwischen uns ein. Vera hatte schon immer ein gutes Augefährt es mir durch den Kopf. Nur bei Männern nicht. Ich hatte gleich einen faden Beigeschmack, als ich damals ihren zukünftigen vorgestellt bekam. Das konnte ja nicht gut gehen, aber im Augenblick ist das egal. Was habe ich falsch gemacht, frägt er mich. Nichts. Das ist es eben. Der einzige Fehler, den er gemacht hatte, war der daran zu glauben, Vera würde ihn für immer lieben. Er hatte ihr seine Liebe auf seine Art bewiesen- indem er ihr Leben finanziell absicherte. Jetzt will sie ihn nicht mehr, und das ist unfair, verdammt unfair und ungerecht. Ihr Fehler war zu glauben, sie würde ihn für immer lieben. Er läuft langsam zu seinem Auto, ein gebrochener Mann. Ob er noch fahren kann? Nein er kann es nicht. Ich bringe ihn zu seiner Mutter, kein Wort wechseln wir während der Fahrt. Nein, ich bin nicht erleichtert, weil ich recht behalten habe. Ich bin traurig deswegen. Wir haben uns nichts zu sagen und er fängt an, mir sein Herz auszuschütten- eben weil ich gerade hier bin. Ich fürchte, er wird es bald bereuen, es wird peinlich werden für ihn, dass ich, also der Feind, ihn so gesehen habe. So klein und angreifbar. „Weisst du, ich kann verstehen dass die Situation schwierig für dich ist. Ist sie für Vera auch. Gerade jetzt wegen dem Baby, da fällt einem ja jede Entscheidung doppelt so schwer wenn man schwanger ist.“ Welches Baby denn, höre ich ihn sagen. Ich merke wie entsetzte große Augen mich von der Seite anschauen. „Scheiße!“. Mein Kopf fällt langsam auf das Lenkrad, als wir an der Straße anhalten.