Ein Antiheld- und trotzdem Herzensbrecher

Veröffentlicht auf von Mirjakätzchen

Was macht einen Menschen aus, was formt ihn? Wie sieht es mit den sozialen Einflüssen aus, die auf einer noch so kleinen Seele ihre Spuren hinterlassen, einem noch leeren und unbeschriebenen Stück Papier einen Stempel aufdrücken? Das frage ich mich nicht nur als Mutter immer wieder, das frage ich mich auch, wenn ich die Kinder dort sehe.


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Da gibt es ein Geschwisterpärchen, zwei Brüder. Ich nenne die beiden jetzt einfach mal Stefan und Darius- so heißen die beiden nicht wirklich,  ich möchte sie so einfach etwas schützen. Stefan ist 6 Jahre alt, zuckersüß- aber nicht einfach im Umgang.  Trotzdem ein kleiner Charmeur und nicht unbegabt. Sein kleiner Bruder Darius ist bald 5. Darius war am Anfang, als ich ihn kennenlernte, fast unerträglich.  Machte immer, wirklich immer das absolute Gegenteil von dem, was er eigentlich sollte. Konzentrierten sich die anderen Kinder auf ein Spiel oder eine Bastelarbeit, musste er stören- zertrampelte die Sandburg, die gerade durch viel Mühe im Spiel entstanden war, fing einfach grundlos an zu schreien wenn man etwas erklärte oder auch zu spucken oder zu treten. Alles an diesem Kind rebellierte. Darius rannte im Gegensatz zu seinem größeren Bruder auch immer etwas vernachlässigt herum. Dreckiges Gesicht, dreckige Kleidung, Nase lief fast bis zum Kinn…..trotzdem war er immer da. Viele Kinder kommen nur sporadisch in den „Lichtblick“ zum spielen- Darius fängt mich an der Tür ab und möchte mit hinein. Oder auf den Spielplatz. „Wann kommst du raus?“ ist seine Standardfrage bei schönem Wetter. Ich erinnere mich, an einem Tag wollten die Kinder unbedingt malen. Ich holte deshalb Malstifte und Papier auf den Spielplatz. Darius war auch sofort dabei- und siehe da, er malte über eine Stunde absolut selbständig und selbstvergessen. Leider habe er keine Malsachen zuhause, sagte er mir. Er darf das jetzt öfter bei uns- MALEN, auch auf dem Spielplatz. Sein Verhalten hat sich zum positiven geändert- so empfinde ich das wenigstens. Sage ich etwas zu ihm, hört er. Nicht sofort- aber spätestens eine Minute später kommt er meiner Bitte an ihn nach. Gestern habe ich wieder Malsachen auf den Spielplatz geholt- Darius kam gleich angerannt, und brachte 2 Schüsseln Obst mit - für sich und die anderen Kinder. Wir richten mittags immer etwas für die Kinder während der Spielzeit „zu Kauen“, das Obst stand auf einer Bank in der Nähe.


 Ich vermute, das Kind war es einfach nicht gewohnt, durch Lob Aufmerksamkeit zu bekommen. Er kannte wohl nur Aufmerksamkeit durch schlechtes Benehmen, bekam lieber andauernd geschimpft- und wurde dadurch nicht ständig von den anderen übersehen, was für ihn wohl noch schlimmer als ständiges Geschimpfe war. Die Malaktion gestern war ein Deal zwischen Darius und mir- pädagogisch vielleicht nicht ganz einwandfrei, aber ich bin ja auch keine Pädagogin. Er hatte seinem Vater  das Handy geklaut- er brachte es ohne Murren wieder zurück und dafür durfte er dann malen. Ich mag ihn mittlerweile sehr- trotz seiner Ecken und Kanten, die er mit seinen paar Jährchen schon ohne Zweifel hat. Die Kinder in Kleinseeäcker werden im Kopf so schnell alt. Und sie brauchen keine Ergotherapeuten oder Psychologen- sondern ganz normale Erwachsene, die mit ihnen einfach mal über ein Seil balancieren oder eine Geschichte vorlesen. 

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Charlene 04/06/2011 14:56


Besuche doch mal unseren blog wir würden uns freuen :)


Mirjakätzchen 04/11/2011 17:24



Mache ich gerne- :-)